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Unser Leistungsspektrum

Wir haben unser Leistungsprofil in vier Segmente aufgeteilt. In jedem Segment informieren wir Sie in einer tabellarischen Auflistung über die wesentlichen Aspekte unseres Leistungsprofils und über Wissenwertes.

Wissenswertes über Abschluss- & Sonderprüfungen

Aktuelle Entwicklungen in der Wirtschaftsprüfung

Die rechtlichen Rahmenbedingungen der Wirtschaftsprüfung haben in den letzten Jahren durch eine Reihe von neuen Gesetzen beachtliche Änderungen erfahren. Ziel der Gesetzgebungsverfahren ist die Stärkung der Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfer, die in Folge der zahlreichen Bilanzskandale der jüngeren Vergangenheit in Frage gestellt werden musste sowie eine Stärkung der Berufsaufsicht über Wirtschaftsprüfer.

Änderungen der Wirtschaftsprüferordnung (WPO)

Bereits zum 1. Januar 2001 wurde das System der Qualitätskontrolle im Berufsstand der Wirtschaftsprüfer eingeführt. Nach § 57a WPO müssen sich Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften nach dem derzeitigen Stand der gesetzlichen Regelungen im Abstand von 3 Jahren einer externen Qualitätskontrolle unterziehen, wenn sie gesetzlich vorgeschriebene Abschlussprüfungen durchführen. Die Prüfung erfolgt durch bei der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) registrierte Wirtschaftsprüfer (Prüfer für Qualitätskontrolle). Die in der WPK eingerichtete Kommission für Qualitätskontrolle ist für alle Angelegenheiten der Berufsaufsicht einschließlich der Überwachung der Qualitätskontrolle zuständig.

Auf die Kritik an der Kontrolle des Berufsstandes ausschließlich durch Angehörige des Berufsstandes wurde mit dem Abschlussprüferaufsichtsgesetz (APAK) vom 27.12.2004 reagiert. Dieses setzt eine vom Berufsstand der Wirtschaftsprüfer unabhängige Abschlussprüferaufsichtskommission als öffentliche Fachaufsicht mit Letztentscheidungsbefugnis ein. Diese nimmt nun die fachbezogene Aufsicht über den Berufsstand wahr und kontrolliert unter anderem, ob die WPK die ihr übertragene Berufsaufsicht wahrnimmt.

Mit dem Berufsaufsichtsreformgesetz (Siebte WPO-Novelle) hat der Gesetzgeber ein grundlegend neues Instrument der präventiven Berufsaufsicht über Abschlussprüfer eingeführt. Das Gesetz trat am 6.9.2007 in Kraft. Seit dem führt die WPK gemäß den neuen §§ 61a Satz 2 Nr. 2, 62b Abs. 1 WPO stichprobenartig und ohne besonderen Anlass berufsaufsichtliche Ermittlungen bei Berufsangehörigen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften aus, die gesetzlich vorgeschriebene Abschlussprüfungen bei Unternehmen von öffentlichem Interesse nach § 319a Abs. 1 Satz 1 des Handelsgesetzbuchs durchgeführt haben (Sonderuntersuchungen). Diese zusätzlichen Ermittlungen (Inspections) sind mittlerweile international üblich. Das Verfahren der Sonderuntersuchung und die darin getroffenen Entscheidungen unterliegen der Letztentscheidungsbefugnis der Abschlussprüferaufsichtskommission (APAK), § 66a Abs. 4 WPO.

Das Instrument der präventiv ausgerichteten Sonderuntersuchungen ergänzt die bisherige Befugnis der WPK zur Durchführung anlassbezogener Ermittlungen in Richtung eines proaktiven Aufsichtssystems. Es ist damit im internationalen Kontext gleichwertig und ermöglicht die gegenseitige Anerkennung der Untersuchungssysteme. Kontrollen durch ausländische Inspektoren in Deutschland bei Prüfern, die im Ausland gelistete Unternehmen oder deren Verbundunternehmen prüfen, sollen dadurch vermieden werden.

Änderungen des Handelsgesetzbuches (HGB)

Die im Rahmen des Bilanzrechtsreformgesetzes vom 4. Dezember 2004 verabschiedeten § 319 und § 319a HGB beinhalten eine deutliche Ausweitung und Verschärfung der Gründe für den Ausschluss eines Wirtschaftsprüfers von einer Abschlussprüfung. Insbesondere der Katalog der unvereinbaren Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Prüfung börsennotierter Unternehmen wurde erweitert. So sind z.B. Wirtschaftsprüfer von der Prüfung ausgeschlossen, wenn sie in dem zu prüfenden Geschäftsjahr Rechts- oder Steuerberatungsleistungen erbracht haben, die über das Aufzeigen von Gestaltungsalternativen hinausgehen und sich auf die Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage unmittelbar und nicht nur unwesentlich auswirken.

Ebenso wurde mit dem Bilanzrechtsreformgesetz für börsennotierte Unternehmen die Pflicht zur Angabe der Honorare des Abschlussprüfers eingeführt. Die Angaben sind dabei zu differenzieren nach Honoraren für die Abschlussprüfung, sonstige Bestätigungs- oder Bewertungsleistungen, Steuerberatungsleistungen und sonstige Leistungen.

Mit dem Bilanzkontrollgesetz vom 15. Dezember 2004 wurde durch § 342b HGB das Bundesministerium der Justiz ermächtigt, eine privatrechtlich organisierte Einrichtung zur Prüfung von Verstößen gegen Rechnungslegungsvorschriften (Prüfstelle) durch Vertrag anzuerkennen. Am 30. März 2005 wurde die „Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung DPR e.V.“ (DPR) als Prüfstelle im Sinne von § 342b HGB anerkannt. Sie hat ihre Tätigkeit am 1. Juli 2005 aufgenommen. Die DPR prüft, ob der zuletzt festgestellte Jahresabschluss und Lagebericht bzw. der zuletzt gebilligte Konzernabschluss und Konzernlagebericht den gesetzlichen Vorschriften entsprechen. Sie wird tätig:

  1. soweit konkrete Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen Rechnungslegungsvorschriften vorliegen (Anlassprüfung) oder
  2. auf Verlangen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht oder
  3. ohne besonderen Anlass (stichprobenartige Prüfung).

Geprüft werden nur Unternehmen, deren Wertpapiere an einer Börse zum Handel im amtlichen oder geregelten Markt zugelassen sind.
Hiermit hat der Gesetzgeber also eine Kontrollinstanz geschaffen, die zusätzlich zum gesetzlichen Abschlussprüfer tätig wird und dadurch das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Rechnungslegung kapitalmarktorientierter Unternehmen stärken soll (Durchsetzung der Rechnungslegungsnormen, „Enforcement“).

Das BilMoG hat der Entwicklung folgend weitere Regelungen betreffend die Benachrichtigungspflicht bei der Kündigung bzw. bei Widerruf des Prüfungsauftrages, betreffend die Ausschlussgründe bei der Auftragsannahme, insbesondere bei Wirtschaftsprüfer-Netzwerken, betreffend die Konkretisierung von Prüfungspflichten einzubeziehender Jahresabschlüsse bei Konzernabschlussprüfungen und die Berichterstattungspflicht des alten gegenüber dem neuen Abschlussprüfer erbracht.

Änderungen der Prüfungsstandards

Im Rahmen der Änderungen der Fachgutachten und Stellungnahmen des IDW infolge der Neuregelung der Abschlussprüfung durch das am 1. Mai 1998 in Kraft getretene Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) wurden die Prüfungsstandards des IDW überarbeitet und formell an die International Standards on Auditing (kurz: ISA) angepasst. Bereits damit legten die Prüfungsstandards in Übereinstimmung mit den International Standards on Auditing die Berufsauffassung der Wirtschaftsprüfer zu fachlichen Fragen der Prüfung dar und gelten seit dem als die vom IDW festgestellten deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Durchführung von Abschlussprüfungen. In der am 17. Mai 2006 verabschiedeten Richtlinie 2006/43/EG des Europäischen Parlaments und des Rates wurde die unmittelbare Anwendung der ISA durch die Berufsangehörigen vorgesehen. Danach bleibt zwar die Annahme von ISAs, deren Anwendung in der EU verbindlich sein soll, der EU-Kommission (adoption) vorbehalten. Mit der Annahme durch die EU-Kommission und der nationalen Umsetzung werden die ISA künftig Gesetzescharakter erhalten und insoweit für den Abschlussprüfer verbindlich. Mit der Verabschiedung des BilMoG wurde, wenn auch mit großer Verspätung und angedrohten Sanktionen seitens der EU, die Anwendung der ISAs in deutsches Recht übernommen.

Mit dieser Entwicklung wurde zum einen die sukzessive Implementierung international einheitlicher Prüfungsstandards forciert. Zum anderen stellte dies eine Reaktion der diesbezüglichen Standardsetter auf internationale Erfahrungen dar, die nicht unwesentlich durch die bekannt gewordenen Bilanzierungsskandale beeinflusst waren. Im Ergebnis führt diese Entwicklung zu einer Konkretisierung des Mengengerüstes und des Qualitätsniveaus der durchzuführenden Prüfungshandlungen. In der Praxis bewirkt schon allein dies in aller Regel eine Erweiterung des Umfangs der durchzuführenden Prüfungshandlungen. Diese Entwicklung wird in nicht seltenen Fällen durch fortschreitende technische Möglichkeiten (siehe hierzu z.B. IDW Prüfungsstandard: Abschlussprüfung bei Einsatz von Informationstechnologie (IDW PS 330)) oder durch sich verändernde Erwartungen an die Abschlussprüfung (siehe hierzu z.B. IDW Prüfungsstandard: Zur Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten im Rahmen der Abschlussprüfung (IDW PS 210) verstärkt. Damit setzt die Abschlussprüfung im Ergebnis funktionsfähige und leistungsstarke Rechnungslegungssysteme inklusive entsprechender Interner Kontrollsysteme beim zu prüfenden Unternehmen voraus und entwickelt sich sowohl hinsichtlich der durchzuführenden Prüfungshandlungen als auch der Auftragsorganisation zu einer prozessorientierten Abschlussprüfung.